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Walter Pfeiffer . Chasing Beauty
Iwan Schumacher: Was Walter Pfeiffer und mich verbindet

Mitte der 60er Jahre kamen Walter und ich je aus einer östlichen Provinz in die Stadt, genauer an die Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich wo uns Hansjörg Mattmüller die Augen öffnete. Mit viel Elan und Esprit hatte uns Mattmüller mit den neusten Kunstströmungen bekannt gemacht und uns das Gefühl gegeben, dass wir alles erreichen können, vorausgesetzt wir waren gewillt zu arbeiten. Er hat uns gelernt, genau hinzuschauen – und wenn er einmal eine Frage nicht beantworten konnte, nahm er uns mit in die Bibliothek und suchte selbst in den Regalen, bis er die Bücher gefunden hatte, die eine mögliche Antwort auf die ursprüngliche Fragestellung enthalten konnten. Dabei liess er sich auch von der protestierenden Bibliothekarin nicht abhalten, bürokratische Vorschriften konnten bei ihm einen Lachanfall auslösen. Dieser begnadete Künstler und Kunstpädagoge hatte Walter und mich (und viele andere mehr) mit seiner Neugier, seinem Non-Konformismus und seiner Energie angesteckt.

Ich war bei Hansjörg Mattmüller im Vorkurs, Walter ein Jahr später in der von Mattmüller und Serge Stauffer gegründeten Kunstklasse Farbe & Form, kurz F&F. Dort habe ich Walter kennengelernt, da ich, inzwischen in die Fotoklasse übergetreten, weiterhin den Kontakt zu Mattmüller pflegte. Die Fortschritte der neuen Klasse mit meiner Kamera festhaltend, tauchte Walter erstmals in meinen Fotos auf.

Nach der Schule verkehrten wir im selben Freundeskreis von hauptsächlich ehemaligen Kunstgewerbeschülern. Einmal noch arbeiteten wir zusammen: Walter nahm Teil an meiner umfangreichen fotografischen Studie mittels streng komponierten Porträts von in oder um Zürich wohnhaften Jugendlichen, entstanden 1969/1970. Während Walter Fotos als Vorlagen für seine grossformatigen Zeichnungen und Illustrationen benutzte, und so zur Fotografie kam, wechselte ich bald einmal zum Film. In einem Alter, in dem sich andere allmählich zur Ruhe setzen, gelingt Walter der Durchbruch als international anerkannter Künstler und Modefotograf. Was ich an ihm bewundere, ist, wie unbeirrt von den jeweils angesagten Modeströmungen er seinen Weg gegangen ist. Je nach Lust und Laune oder durch die gerade vorherrschenden pekuniären Umstände gezwungen, wechselte er das Fach: von der angewandten zur bildenden Kunst, von der Kunst- zur Modefotografie und zurück zu Videoinstallationen hat er ein einmaliges, umfangreiches Werk geschaffen. Kunstmarktstrategien interessierten ihn nie, mangelnde Wertschätzung seinen Arbeiten gegenüber steckte er mit einem Lächeln weg. Seine Arbeiten, ein Fest der Farben, erotisch, voll sprühendem Bildwitz und einer Leichtigkeit, die Gedanken an schlaflose Nächte oder an Strapazen bei der Entstehung dieser Bilder gar nicht erst aufkommen lässt. Walter Pfeiffer, vom Mattmüller-Virus infiziert, ist fit und neugierig geblieben, sein später Erfolg macht – gerade in der heutigen Zeit – generell Mut.

Beide wohnen wir immer noch in Zürich, inzwischen nur eine Busstation voneinander entfernt. Seit über einem Jahrzehnt drehe ich hauptsächlich Porträts von Schweizer Gegenwartskünstlern, naheliegend also, dass wir uns entschlossen haben, diesen Film zu machen. 2011 habe ich angefangen mit Walter zu drehen. Was mich an unserer Zusammenarbeit besonders freut, ist sein Talent als Performer, seine Auftritte vor der Kamera haben regelmässig grossen Unterhaltungswert.

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SRF - Bericht und Sendung zum Film
Das Magazin - Eine Kolumne von Katja Früh

Personen im Film über W. Pfeiffer
Walter Pfeiffers Weg
Regisseur Iwan Schumacher

NZZ - Artikel über W. Pfeiffer
Watson - Artikel über W. Pfeiffer
Das Pfeiffersche Fieber - Look Now