Kinoimschlosshof
   

 

 

Walter Pfeiffer . Chasing Beauty
Eine Kolumne von Katja Früh in "Das Magazin"

Sonntag, November, es nieselt, was denn sonst. Und dann, für zwei Stunden, eintauchen ins pralle, bunte, heiterste Leben. Und dann wieder raus, in den gleichen Sonntag, Kolumne schreiben, hopp. Trotzdem bin ich guter Laune, denn ich habe gerade Iwan Schumachers wunderbaren Film gesehen: «Walter Pfeiffer – Chasing Beauty», nun verehre und liebe ich den Künstler Walter Pfeiffer noch mehr. Wieder zu Hause, schwindet meine gute Stimmung, denn ich denke darüber nach, was wohl den Unterschied zwischen mir und Pfeiffer ausmacht. Und leider gibt’s da viele.

Er war immer Künstler und immer sicher, dass er das Richtige tue. Ich war nie Künstlerin und immer unsicher, ob ich wohl das Richtige tue. Er ist nicht selbstsicher in der Weise, die Arroganz und Stolz hervorbringt, er ist viel tiefer sicher, seiner gewiss, sozusagen. Auch schon in seiner Jugend, immer. Etwas gefällt ihm, und er macht es. Ich hingegen wusste lange Zeit nicht einmal, was mir eigentlich gefällt. In der Kunst, zum Beispiel: Gefällt mir etwas, weil man sagt, das ist gut? Oder gefällt mir etwas, weil es gerade angesagt ist, oder irr ich mich gewaltig? Er hingegen sagte immer munter, dass er gern berühmt werden wolle. Darf man so was als ernsthafter Künstler sagen? Muss man das nicht ein bisschen kaschieren? Oder dass man sich für die Schönheit interessiert, einfach nur für die Schönheit? Die Schönheit junger Männer zum Beispiel, die er fotografisch festgehalten hat, weil sie, wie er sagt, so schnell vergeht? Alt ist nicht schön, erklärt er freimütig, und obwohl ich vollkommen seiner Meinung bin, würde ich bei dieser Aussage wohl drum herumreden, ich würde sie beschönigen und so weiter.

Er war immer eine Ikone, ein Star, nicht gespielt, nicht aufgeblasen, er war es einfach, ganz bescheiden. Auch als er noch nichts verdiente und ihn kaum jemand kannte. Ich will jetzt nicht wirklich zum hehren Bild vom armen Künstler, der sich nicht verbiegen will, kommen. Ich habe auch versucht, mich nicht zu verbiegen. Habe auch gekämpft für meine Inhalte. Aber für Geld. Er nicht. Er hatte schlimme, auftragslose Zeiten. Er wurde belächelt, ignoriert. Wenn mir das passiert wäre – beziehungsweise wenn ich es bemerkt hätte, denn vielleicht ist es mir ja passiert –, ich hätte sofort aufgehört. Er niemals. Und obwohl er jetzt auch noch Modefotograf ist und weltberühmt und von den besten Magazinen Aufträge erhält, Paris, Tokio, New York, mit den heissesten Models arbeitet, hat er sich seinen Aufträgen nicht angepasst, sondern sie sich ihm. Das ist der grosse Unterschied. Chasing Beauty – yeah!

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SRF - Bericht und Sendung zum Film
Personen im Film über W. Pfeiffer
Schumacher über Pfeiffer

Walter Pfeiffers Weg
Regisseur Iwan Schumacher

NZZ - Artikel über W. Pfeiffer
Watson - Artikel über W. Pfeiffer
Das Pfeiffersche Fieber - Look Now