Kinoimschlosshof
   

 

 

Paterson
Kritik und Presse

Lakonisch, langsam und unberechenbar lustig – die Filme von Jim Jarmusch lassen sich schwer in Worte fassen. Zuweilen wecken sie gar den Eindruck, dass sie selber ohne Worte auskommen und sich stumm in das Gedächtnis ihres Publikums schleichen.
Doch das ist eine Sinnestäuschung, denn tatsächlich war Sprache für die Entwicklung des Filmemachers mindestens so prägend wie dessen Faszination für die B-Movie-Monster seiner Kindheit.
In Jugendzeiten verschlang Jarmusch die Bücher der Beat Generation, las Rimbaud und Baudelaire und begann ein Englischstudium mit der festen Absicht, Dichter zu werden.
Das hinterlässt Spuren. In «Down by Law» zitiert Roberto Benigni den US-Poeten Robert Frost, in «Dead Man» trägt ein Indianer Verse des englischen Dichters William Blake vor. Und Jarmuschs neuer Spielfilm «Paterson» teilt sich seinen Titel mit dem gleichnamigen Gedichtzyklus des amerikanischen Lyrikers William Carlos Williams.
Williams Gedichte starten nicht mit einer Idee, sondern mit alltäglichen Dingen, und daran hält sich auch Jarmusch. In «Paterson» beschreibt er das Leben eines Busfahrers, der selbst Paterson heisst und seine Runden in der Kleinstadt Paterson dreht, einen Steinwurf entfernt von New York.
Wiederholung und Variation heisst die Methode, und was als Pose enden könnte, wird hier zu Poesie.
Einmaliges Sehvergnügen
SRF Kultur, Hannes Nüsseler

Der Film «Paterson» erzählt eine ruhige, für Jim Jarmusch typische, fürs Kino allgemein untypische Geschichte. Seine Figuren werden durch keine dramatische Konflikte vorangetrieben, sondern durch ruhiges Beobachten aus der Nähe am Leben erhalten. Die Struktur des in gedämpften Farben gehaltenen Filmgedichtes umfasst lediglich sieben, ähnlich verlaufende Tagen des Paares. Der Film, wohl einer der handlungsärmsten seines gesamten Oeuvres, lebt von der Poesie der Beobachtungen, deren Details, Wiederholungen und Variationen. «Paterson» stellt eine Art Gegenentwurf zum hochdramatischen und an Action orientierten Mainstream-Kino dar. Es ist ein Film, dem man es gerne erlaubt, einfach an einem vorbeizuziehen, wie die Bilder, die man durchs Fenster eines Linienbusses wahrnimmt.
der-andere-film.ch

Der perfekte Film um die Poesie des Alltags zu entdecken – und dabei herunterzufahren. - SRF Kultur

«Das alles ist poetisch-skurril und Jarmuschy.» Sennhausers Filmblog

«Die Realität des Alltags wird bei Jarmusch zu einem Kunstwerk.» Le Monde

«Jarmusch-Fans werden diesen Film lieben!» SWR Kulturzeit

«Ein leiser, überaus poetischer und wunderschöner Film.» Die Zeit

«Jarmusch feiert in seinem zärtlichen Werk die Liebe zur Kunst.» NZZ

«Eine Liebeserklärung ans Schreiben und erst recht eine ans Lieben, zuallererst aber eine an das Sein.» Der Tagesspiegel

«Hinreissend!» The Guardian

«Ein Meisterwerk voller Poesie.» Cinema

Filmen im Escape-Modus
Die verinnerlichte Alltäglichkeit von «Paterson» wurde schon als «amerikanischer Zen» beschrieben, seine skurrile Poesie mit japanischen Haikus verglichen. Was der Franzose, Philosoph und Literaturkritiker Roland Barthes von den Haikus sagt, gilt auch für die Paterson-Gedichte, vielleicht für den ganzen Film: «Sie haben das Recht, belanglos, knapp und gewöhnlich zu sein». Die Diskretion, mit der Jim Jarmusch hier und anderswo filmt, gehört denn auch zu den wunderbaren Geheimnissen, die das Kino auch noch heute bereithält, im Zeitalter der permanenten Blockbuster-Übersteigerung. Seine Filme sind eine überzeugende Illustration der vor allem von Paul Virilio geforderten «Entschleunigung». Jarmusch hat in seinen 19 Filmen nie aufgehört, nach der Escape-Taste zu suchen. Wie kommt man raus? Aus der Kulturindustrie, der Warenökonomie, der formierten Gesellschaft? Als er in den frühen Achtzigerjahren mit Filmen begann, war das Independent-Kino noch jung, frisch und hat in diesem Sinne gewirkt. Heute aber ist der Sumpf der Gegenkultur ausgetrocknet. Google weiss immer, wo wir sind und was wir wollen. Facebook verbindet alles, ob sinnvoll oder unsinnig, miteinander. Die damaligen Aussteiger sind in der Feelgood-Komödien sesshaft geworden, was die eben in Hollywood gefeierten Globe- und Oscar-Zelebrationen bestätigen. Jim Jarmusch hat seine eigene Wertungsskala: eine tiefe Akzeptanz dessen, was ist, und eine zarte, doch glaubhafte Hinwendung zum Miteinander, einen berührenden Humanismus, jenseits aller Dogmen und Glaubensbekenntnisse – quer zur heute weltweit grassierenden Entsolidarisierung. «Paterson» ist ein leises Meisterwerk, vor dem die laute Kinokonkurrenz vor Neid verstummen müsste.
der-andere-film.ch

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Gedichte
Bericht in der NZZ