Kinoimschlosshof
   

 

 

Jimmy's Hall
Gespräch mit dem Regisseur Ken Loach

Was hat Sie dazu bewogen, die Geschichte von Jimmy Gralton zu erzählen?

Es handelt sich um eine besonders spannende und vielschichtige Geschichte, mit der die Vorstellung widerlegt wird, dass die Linke dem Tod geweiht sei, dass sie deprimierend, gegen Humor, Spass und Feiern ist. Diese Geschichte zeigt auch das Ausmass der Verquickung der kirchlichen Hierarchie mit der wirtschaftlichen Macht. Das war damals so im Fall von Jimmy Gralton, und das ist auch heute noch so.

Inwieweit ist der Film historisch belegt, und was ist Erfindung?

Der Film ist inspiriert vom Schicksal von Jimmy Gralton und von der Epoche, in der er sich bewegte. Man weiss leider nur wenig über sein Leben und über seine Persönlichkeit. Und das ist schade, weil alles darauf hin deutet, dass er ein toller Mensch war. Anderer- seits liess es uns die Freiheit, über das Privatleben, dass er hätte haben können, und über die Entscheidungen, die traf, neu nachzudenken. Wir wollten dem Publikum einen vielseitigen und in sich stimmigen Charakter vorstellen und keine Karikatur eines militanten Aktivisten. Das war eine schwierige Gratwanderung, besonders in den Details. Wir haben also versucht, den Figuren Feinschliff zu geben und zugleich den historischen Fakten Genüge zu tun.

Was zeichnet die „Pearse-Connolly-Hall“ aus?

Ich denke, sie ist das Symbol für einen rebellischen Geist, ein Ort freier Entfaltung, in dem Ideen ausgetauscht und diskutiert werden können, wo Poesie, Musik und auch Sport betrieben werden können und wo man natürlich auch tanzen kann.

Gibt es Parallelen zwischen Jimmys Irland und dem heutigen Irland?

Ich glaube sehr wohl, dass der Kampf noch derselbe ist. Die Börsenkrise von 1929 hat zehn Jahre Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit verursacht. So ist es auch heute: die Linke hat es sehr schwer, überzeugende politische Argumente zu finden, eigentlich findet sie diese nie. Die politische Debatte findet zwischen verschiedenen rechten Parteien statt, und die Ärmsten bekommen die meisten Schläge ab. Viele junge Leute haben keine Zukunft, und in Irland wandern sehr viele Leute auf der Suche nach Arbeit aus. Folglich ist in dieser Hinsicht die aktuelle Lage der damaligen sehr ähnlich: ein Finanzcrash, gefolgt von einer Wirtschaftskrise.

Biografie von Ken Loach

Ken Loach, den die Berlinale 2014 mit dem Goldenen Ehrenbären und einer Hommage ehrte, wurde 1936 in Nuneaton geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Oxford University und ersten Schritten auf der Theaterbühne, fand er im Jahr 1963 eine Stelle als Regisseur für den britischen TV-Sender BBC. Diese Anstellung war der Grundstein einer langen Karriere als Regisseur für TV- und später auch Kinofilme. Darunter das Sozialdrama Cathy Come Home (1966), Just a Kiss sowie den Gewinner der Goldenen Palme 2006 The Wind That Shakes the Barley.

Filmografie (Auszug):
2012 Angels’ Share
2009 Route Irish
2008 Looking For Eric
2007 It’s a Free World
2006 The Wind That Shakes the Barley
2004 Just A Kiss
2002 Sweet Sixteen
2000 Bread and Roses
1998 My Name is Joe
1996 Carla’s Song
1995 Land and Freedom
1990 Hidden Agenda
1969 Kes

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Geschichtlicher Hintergrund
Der Drehbuchautor Paul Laverty
Der Hauptdarsteller Barry Ward
DIe Hauptdarstellerin Simone Kirby
Filmbeschreibung zeit.de
Kritik und Presse